Mitleid ... am Arsch!

Wenn ich am Sonntag abend bei der Kassa in der Tankstelle bezahle, sage ich da: "Die Nummer vier, bitte, und es tut mir sehr leid für Sie, dass Sie so einen g´schissenen Job haben."? – Eher nicht. Aber ich werde versuchen, ein halbwegs angenehmer Kunde zu sein. Ein Minimum an Freundlichkeit tut´s da schon.
Ich sage auch nicht: "Entschuldigen Sie, ... Sie sind unglaublich häßlich. Es tut mir sehr leid, dass Ihre Eltern Ihnen keine g´scheiten Gene vererbt haben." In diesem Fall wäre Maul halten die richtige Option.
Mitleid ... am Arsch! Das braucht niemand. Ist ja auch komplett unlogisch: Was soll daran gut sein, wenn es statt einem Leidenden zwei Leidende gibt?
Mitgefühl ... das ist etwas Brauchbares. Erfordert aber eine empathische Grundaustattung. Hat nicht jeder. Und in der Konsequenz bedeutet das, dass ich in entsprechenden Situationen die Tür aufhalte, jemanden den Vortritt lasse oder frage, ob ich behilflich sein kann und gleichzeitig den üblichen Respekt zeige. Und das gilt auch für Menschen mit Behinderung.
Mehr ist es nicht. Aber das ist schon eine ganze Menge.
 

"Ich bin Zlatan."

"Ich bin Zlatan" heißt die Biografie von Zlatan Ibrahimovic. Ganz sicher eine der schillerndsten Firguren im internationalen Fußball. Außergewöhnliche Tore und außergewöhnliche Interviews. Sein Auftreten auf und abseits des Spielfeldes strotzt vor Selbstvertrauen. Das ist sein Markenzeichen, das ist neben seinem herausragenden Talent seine große Stärke.
Eine alltagstaugliche Dosis Selbstvertrauen ist eine gute Basis für ein gutes Leben. Für ein glückliches Leben.
Selbstvertrauen, und diese Stärke, die damit wächst, bekommt man nicht geschenkt. Man muss dafür arbeiten. Man muss sich Herausforderungen stellen. Und das machen wir. Mit unseren Fußball-Camps. Training und Testspiele. Und egal, ob man die gewinnt oder verliert – in jedem Fall lernt man etwas über sich selbst. Man steht im Wettbewerb mit seinen Gegnern und lernt seine Leistungsgrenzen kennen. Betreibt man das nicht nur kurzfristig, gibt´s "Extras" noch dazu: Entwicklung, Teamarbeit, Disziplin, Zusammenhalt, soziale Fähigkeiten.
Und dann heißt es: "Ich bin Martin.", "Ich bin Elias." und "Ich bin Tobias."

Entwurf: Manifest No.2

Wir sind da. Punkt.

Seit einem guten halben Jahr trainieren wir das SKN St. Pölten Special Needs Team. "Was wir da machen, ist gut für die Beeinträchtigten", habe ich mir gedacht.

Das ist nicht ganz falsch, aber nur die halbe Geschichte. Weil: Die Damen und Herren Fußballer sind großartig. Das Training mit ihnen taugt mir so sehr. Wahrscheinlich weil die Herrschaften so frank (https://de.wiktionary.org/wiki/frank_und_frei) sind. What you see, is what you get. Da gibt´s keine Heimlichkeiten oder taktische Manöver. Gerade Micheln! 90 ehrliche Minuten – das ist soviel wert wie ein Wellness-Wochenende in der Therme Laa.

Und außerdem: Wir sind da. Jede Woche. Im Trainingszentrum treffen wir jeden Mittwoch 30, 50 oder 80 andere Sportler. Fußballer, Basketballer, Kletterer. Und ich bin mir sicher, dass es da den einen oder anderen gegeben hat, der anfangs möglicherweise ein wengl irritiert war, dass er jetzt den Platz mit Beeinträchtigten teilt. Und genau so sicher bin ich mir, dass sich diese Irritation in Luft auflöst. Weil es normal wird. Weil wir jede Woche da sind. Und uns sichtbar machen. Wir räumen genauso unser Equipment her und wieder weg. Wir putzen uns genauso die Schuhe nach dem Training ab. Und wir holen uns genauso nach dem Training eine Wurscht-Semmel. Und das ist nicht nur für den Kantinenumsatz gut.

 

Entwurf: Manifest No.1

Wir glauben nicht an "Beeinträchtigung", wir glauben an "Fähigkeiten".

Ich halte es kaum aus, dass die Menschen, mit denen wir trainieren, in erster Linie nach ihrem wirtschaftlichen Nutzen benannt werden. Die Einteilung in "beeinträchtigte Menschen" wird ja im Regelfall getroffen, um die eingeschränkte wirtschaftliche Erwerbsfähigkeit zu beschreiben. Das mag im Umgang mit dem Arzt, Gesundheitsbehörden und Versicherungen wichtig und sinnvoll sein. Davon abgesehen hat die Bezeichnung "beeinträchtigt" genau gar keinen Mehrwert. Die Bezeichnung "Special Needs" ist schon einen Schritt weiter, bezieht sich aber noch immer offensichtlich auf einen Mangel oder eben die Beeinträchtigung. Total happy bin ich damit auch nicht.

Weil es kann ja nicht sein, dass das Kriterium der Arbeitsfähigkeit das erste und wichtigste Kriterium des Menschen ist. Einen Menschen macht ja viel mehr aus. Ich will in einer Welt leben, wo andere Kriterien wichtiger sind: Liebenswürdigkeit, Begeisterungsfähigkeit, Respekt. Ich bin so froh, dass ich in letzter Zeit so viele AusnahmeTalente kennengelernt habe. Sie haben mich an ihrer Herzlichkeit und emotionaler Ausdrucksstärke teilhaben lassen – das ist jedes Mal ein Geschenk!

Der Job oder die Job-Losigkeit oder die Beeinträchtigung – das soll nicht das erste Kriterium eines Menschen sein. Auf die Frage, " ... und: Was machst du so?", sollen die Leute nicht antworten mit: "Anwalt", "AMS" oder „Pension". Sondern mit dem, wofür sie wirklich brennen. Was ihre Herzensangelegenheit ist. "Ich geh´gern klettern und sammle alte Wurlitzer." oder "Ich geh gern ins Wirtshaus und sammle nicht gern das Gackerl im Sackerl." So stell mich mir das vor.

Und wenn wir schon Begriffe aus der Wirtschaft verwenden müssen: Wie wärs mit "Hidden Champions“?

Erdbeer Combinos

Das erste Camp in Tulln haben wir schon grob durchorganisiert. Das Ding passt einmal! Wir sind super happy damit. Für die Ausnahme Talente wird´s ein paar großartige Überraschungen geben – das dürfen wir schon verraten! Übrigens: fünf Plätze sind noch frei ...
Auf der anderen Seite mühen wir uns mit ein paar Kinderkrankheiten ab: Immer wieder wird uns berichtet, dass die Website teilweise Fehlermeldungen zeigt ("Under Construction" ...). Die IT-Experten von hosteurope haben jetzt daran gearbeitet und scheinbar den Fehler gefunden und ausgebessert. Wenns weiterhin bei jemanden nicht funktionieren sollte: Bitte macht´s einen Screenshot und schickt´s ihn mir (andreas@ausnahmetalent.at). Tausend Dank!
Außerdem: Die ersten Bands haben schon für das Kick Off-Event zugesagt. Das Organisieren und das Arbeiten an den Camps und der Kick Off-Party macht extrem viel Spaß. Und das vorallem aus einem Grund: Die Leute sind vom Projekt begeistert und sagen schnell Ihre Unterstützung zu. Egal ob jemand eine Runde Erdbeer Combinos spendiert oder uns ein Stadion baut: Size Does Not Matter! In jedem Fall taugt uns das total.

Vokabel Heft

hello    sa wat di khrap

versammeln, zusammen kommen    ru am

Fußball spielen    len fut bôn

rapide, rasant, schnell, rasch, eilig, flink, flott    reu

starten, let´s go!    gan röm

well done, good job    gen mak

good game    len di

ik jiam djak nan sok    Come again next year?

Gut! Ja!    di khrap

Thailand Talente

Wir zählen die Stunden. Aber nicht zur Jahreswende, sondern zum nächsten Kinder-Fußball Camp. In Thailand. Genauer: Pattaya Orphanage. Start: 1.1.2016, 15 Uhr. Und das ist ein guter Start ins Neue Jahr. Das Österreichische Special Olympics Team hosted das Camp und hat uns eingeladen die Betreuung zu machen. Rechtzeitig bevor sich die kalte Luft in der nördlichen Hemisphäre breit macht, packen wir Flip-Flops, Fußbälle und Leumundszeugnis ein. Um mit den Kindern arbeiten zu dürfen, müssen wir belegen, dass wir einen tadellosen Criminal Record haben. Es ist super-schön, dass man uns die Gelegenheit gibt mit den Kindern vorort zu arbeiten, und es ist nur verständlich, dass sich die Verantwortlichen des Waisenhauses zeigen lassen, dass wir zu den Guten gehören. Nachdenklich stimmt mich das trotzdem: Für ein Kinder-Fußball-Camp ist ein tadelloses Leumundszeugnis klarerweise Voraussetzung, aber im Österreichischen Parlament sitzen Leute, die verurteilte Verbrecher sind. Verurteilt – nicht wegen Parksünden, sondern wegen Verhetzung. Für 20 Kinder: ein Leumundszeugnis. Für 8 Millionen Österreicher: nicht.

Special Moves

NHL. Detroit Red Wings vs. New Jersey Devils. 3:4 verloren. 4 Faustkämpfe. Hervorragende Stimmung. Während der Spielunterbrechnungen zeigen die Riesen-Bildschirme gerne originelle Typen, trophy wifes und fröhliche, ausgelassene Tänzer – eher Tänzerinnen. Soweit kennen wir das ja. Und speziell zu Weihnachten werden dann gerne Pärchen gefilmt, die sich dann unter einem eingeblendete Mistelzweig küssen dürfen. Und wenn sich dann einmal zwei Frauen küssen – sowieso Extase. Gestern aber, war was Neues: Ein Bursch mit Down Syndrom hat sich Musik richtig zu reingezogen und hat geshakt was das Zeug gehalten hat. Und jetzt kommts: Die ca. 12.000 Besucher haben dem Typen zugejubelt, als hätt´er selber den Ausgleich am Eis erzielt. Plötzlich wars um 20 Dezibel lauter, weil das ganze Stadion mitgesungen hat. Das war kein Mitleids-Applaus, sondern denen hats so getaugt, dass es dem Burschen so getaugt hat. So muss das sein. Jeder kann was.